Erdrandbewohner

„Erdrand - Bewohner"  ist im Grunde eine völlig falsche Bezeichnung für diese Kreaturen. Sie sind wir selbst.

So kann man den einzelnen Kreaturen keinen Namen zuordnen oder sie durch eine Bezeichnung lhrer Eigenschaften oder Tatıgkeit ındivıdualısıeren, es sei denn, es würde einem genügen, sie als „Putzfrau“,  als „Vernagelter,   engherziger Lehrer", „Verlogener, korrupter, niederträchtiger, hinterhäitiger Politiker", als „Hoffnungsloser, verzweifelter, arbeitsloser, Gastarbeiter"   zu benennen. Was nichts bringen würde, denn zu jeder Zeit jeder sein wie der nächste. Deswegen werden die Köpfe nur mit Nummern versehen,   z. B. X1, X2, X3.

Sie haben wie wir von Aufrichtigkeit und Klarheit geträumt, aber es ist beim Träumen geblieben. Sie sind schon bei ihrem Auftauchen in einem Amtsraum erniedrigt und gescheitert. Ihr Leben ist ein Straflager, und  sie kennen nur das Todesurteil. Sie brachten es in fast alien Fällen nicht weit in ihrem Leben, das eine einzige Fürchteriıchkeıt gewesen war:  alle bis zur Putzfrau, waren sie weiblich, und bis zum Hilfs- und Gastarbeiter, waren sie männlich.

Sie existieren alle in einem ununterbrochenen Anschuldlgungs- und Beschuldigungswahnsinn als Todeskrankheit. Sie zersetzen und zerstören sich pausenlos gegenseitig. Sie existieren mit der hofnnungslosn Intensität
des tödlich Verzweifelten.  Ein fürchterliches Leben als fürchterliche Existenz. Ich erkenne mich in jedem diese Menschen, gleich wie er ist. Wir alle sind zu dieser, unserer fürchteriichen Existenz verurteilt, solange wir leben.

Die Köpfe

Im allgemeinen:
ein Verzweiflungsghetto;
und ein Beschämungsghetto
andererseits.

Es sind Höllenbewohner
oder zumindest
Vorhöllenbewohner;
unsichere, verirrte, konfuse
Geschöpfe; unsicher
dastehend und in jedem
Falle als eine nach außen
und innen unglückliche
Natur zu erkennen.

Der Staat, die Stadt
und die Kirche hatten
an diesen Menschen
längst versagt und
aufgegeben,

Es sind Aufgegebene,
nicht nur von der Umwelt
als perverser Betrugs- und
Geschmacksgesellschaft,
sondern hatten sich
schon längst selbst
aufgegeben.

Meine Kreaturen sind Tell einer Weltsicht, wie sie in der Literatur bei Werner Schwab, Elfriede Jelinek und Thomas Bernhardt aufscheint. Das Montaignezitat, weiches Thomas Bernhardt seinem autobiographischen
Bericht Der Keller vorangestellt hat, trifft auch für meine Aquarelle zu: „Alles ist unregelmäßige und ständige Bewegung ohne Führung und ohne Ziel".

Kressbronn, August 2007  Ursula Wentzlaff